DER WAHRE EUROVISION SONG CONTEST GEWINNER

09. Juni 2015 | Conor R. Spillane

Der Eurovision Song Contest ist seit circa zwei Wochen beendet, und die Medien berichten von Schwedens Sieg, doch hat insgeheim jemand anderes gewonnen? Außerdem: die Titelwahlen der Teilnehmer gaben einen interessanten Einblick in Europas wichtige Themen.


Der Grand Prix Eurovision de la Chanson, oder wie er seit 2001 in Deutschland bekannt ist, Eurovision Song Contest (ESC), nahm am 23. Mai 2015 zum 60. Mal sein Ende. Auf den ersten Blick sieht es so aus als hätte Schweden mit seinen 365 Punkten gewonnen, doch im Hintergrund verbirgt sich der wahre Gewinner. Zugegeben, Schweden hat den Pokal mit nach Hause genommen, aber nur weil es den echten Gewinner seit 1997 „offiziell´´ nicht mehr gibt. Nur wer ist dieser Gewinner, welches Land könnte es sein? Dafür müssen wir uns erstmal den Punkten, den Liedern, und der Geschichte des ESC widmen.

Sprachenvielfalt beim ESC?

Seit 1956 wird der ESC jährlich abgehalten, und dient unter anderem als Feier der Sprachen- und Musikvielfalt Europas. Zum aller ersten Mal fand in der ESC in der Schweizer Stadt Lugano statt. Damals nahmen nur sieben Länder teil, von denen jedes zwei Titel einreichen durfte. Eine vorgeschriebene Sprache gab es nicht, aber es wurde erwartet, dass jedes Land in der eigenen Landesprache singen würde. Anfangs war die vorherrschende Sprache Französisch, in den folgenden Jahren aber wuchs die Diversität und eine meistgesungene Sprache gab es lange nicht.
Hier jedoch nähern wir uns der Wahrheit: bis 1999 gab es zwar keine dominierende Sprache im ESC, doch seitdem herrscht eine Sprache fast ausschließlich über alle anderen. Bei dem ersten ESC gab es kein einziges Lied in der Sprache. 1970 bis 1998 wuchs die zahl und es wurden meist 2-3 Lieder in dieser Sprache gesungen. Die Sprache von der hier die Rede ist, ist Englisch. Jetzt kommen wir zum kritischen Punkt. Der wahre Gewinner des ESC mag schockieren.
Als das Vereinigte Königreich 1997 zum letzten Mal gewann, stiegen sie in der Gesamtwertung hoch auf den zweiten Platz, den sie sich mit jeweils 5 Siegen mit Luxemburg und Frankreich teilten. Die Aussichten auf den ersten Platz waren zum Greifen nah, doch dann verlor Großbritannien im nächsten Jahr knapp mit nur 6 Punkten Rückstand hinter dem Erstplatzierten. 1999 rutsche Großbritannien dann weit zurück auf Platz 12, mit 125 punkten hinter dem Erstplatzierten. Vorhin sprach ich ja an, das der wahre Gewinner in Geschichtsbüchern seit 1997 offiziell nicht mehr existiert.

„Such is the end of Empire" – Charles, Prince of Wales's Journal (1997)

1997 markiert das Ende des britischen Kolonialismus, nach der politischen Übergabe von Hong Kong an China. Das Jahr 1997 markiert auch, wie gesagt, den letzten Sieg des Vereinigten Königreichs beim ESC. Als das Vereinigte Königreich 1998 das Ziel knapp verfehlte, entschied es sich, mit seinen eigenen Regeln zu spielen. Anstatt mit Punkten zu gewinnen, taten sie es wie es schon immer machten. Indem sie alle dazu brachten ihre Sprache zu sprechen. 1998 wurden nur wenige (drei) Lieder auf Englisch gesungen. 1999 stieg die Zahl der auf Englisch gesungenen Lieder auf mehr als die Hälfte der Lieder insgesamt. 16 Jahre später, im Jahre 2015, sind es 33,5 (Rumänien sang zur hälfte Englisch) der 40 Lieder die in englischer Sprache gesungen wurden.

Und so kommen wir zum Fazit der Geschichte. Als gebürtiger Vollblut-Ire, ein Bürger des Landes Irland, welches die meisten Siege beim ESC bis heute gewonnen hat, bin ich am meisten dazu befähigt ein Urteil abzugeben.

Der echte Gewinner des Eurovision Song Contests 2015, mit insgesamt 1913,5 Punkten (Rumänien zählt nur zur Hälfte), ist mit weitem Vorsprung und durch den ESC weiterlebend: Das Britische Weltreich.
Dies ist die einzige plausible Erklärung für so viele Lieder auf englisch.

Interessante Themenvielfalt in diesem Jahr

Nun zu dem eigentlichen Contest dieses Jahres. Dieses Jahr waren einige Themen sehr präsent: Liebe spielte für Moldau, Lettland, Polen, England und Italien (in der Reihenfolge) ein große Rolle mit „I want your love" (Moldau), „Love Injected" (Lettland), „In the name of Love" (Polen), „Still in love with you" (England) und „Grande Amore" (Italien).

Belarus, Litauen und die Schweiz waren am Puls des Europäischen Zeitgeists mit „Time", „This time" und „Time to Shine", wobei „Time to Shine" aus der Schweiz kam, und den Stereotypen der Schweizer betont.

Die drei Länder Estland, Australien, Rumänien (in der Reihenfolge) schienen den exzessiven Alkoholkonsum mit „Goodbye to Yesterday", „Tonight Again" und „All over again" anzustacheln.
Zuletzt kam auch noch Originalität ins Spiel bei der Kategorie Krieger und Helden, die Lieder Maltas und Georgiens hießen beide „Warrior" , und der „Gewinner´´ Schweden setzte mit „Heroes" noch einen drauf . Ungarn unterstütze diese Idee nicht und konterte mit dem Lied „Wars for Nothing".
Als letzten Punkt möchte ich gerne die Wahl für den Titel des Liedes der Griechen „One last Breath" ansprechen. Viele werden sofort wissen was gemeint ist, das hier ist also für die Wenigen die den offensichtlichen Witz noch nicht erkennen konnten: Es ist eine ach so humeröse Anspielung auf den Philosophen Aristoteles, der nachdem er als Strafe für Korruption der Jugend Gift trinken musste, „One last Breath" genommen hat.
Bis zum Nächsten Jahr!