The European Moment - vom Beginn einer Bewegung, 20. - 22. Januar 2017

Was verleiht einem Moment die Bedeutung, als solcher wahrgenommenzu werden? Ein Moment ist mehr als das nachträgliche Einfangen eines bestimmten Ereignisses; mehr als Stillstand. Als sich am Freitag, dem 20.01.2017 ungefähr 50 junge Menschen aus den verschiedensten Regionen zusammenfanden, um in Berlin eine pro-europäische Kampagne ins Leben und in die Welt zu rufen, war es vor allem ein Moment, der sie ungeachtet vielfältiger Vorstellungen von Europa verband.

Auch wenn es der Erinnerung kaum bedurft hatte, führte man sich gemeinsam die politische Entwicklung der letzten Jahre vor Augen und sah mit dem Aufwuchern alter Nationalismen, einer immer gravierenderen Spaltung von Gesellschaften und der Radikalisierung von Wort und Tat, ein widerliches Bild.

Ein Moment des Schocks, der schier lähmenden Angst also? Nein. Unser Moment war vielmehr das Gegenteil eines Stillstandes in abwartender Deckung. Kein Zögern, vielmehr gespannte Erwartung darauf, mit dem Ausruf Unser Europa kriegt ihr nicht! endlich den vielen Menschen in Europa eine Stimme zu geben, die es wertschätzen und dessen Zukunft mitgestalten wollen.

Noch am gleichen Abend lernten wir uns und unsere Vorstellungen von Europa kennen. Die Gespräche reichten von populären Themen wie Ulrike Guérots Vision einer europäischen Republik, detaillierten Forderungen an die europäischen Institutionen und Verfahren bis hin zu der einfachen, aber umso wirkmächtigeren Erkenntnis, dass Europa für uns vor allem eines ist:

Ein nicht mehr wegzudenkender und zukunftsweisender Handlungsrahmen des friedlichen Zusammenlebens über nationalstaatliche, soziale und kulturelle Grenzen hinweg.

Das grundlegende Ziel der Kampagne war damit schnell gefunden. Wir wollen eine breite, europäische Öffentlichkeit erreichen und dabei Menschen motivieren, ein Zeichen für eben jenes Zusammenleben in Frieden zu setzen. Natürlich sehen wir auch viel Anlass zu Kritik, aber für alle, die die Rückschrittlichkeit und Bedrohung vieler politischer Entwicklungen dieser Zeit spüren, gilt es jetzt zu handeln. Es bedarf einer Wiederbelebung der Wertschätzung unzähliger Selbstverständlichkeiten in Europa. Der Wert eines Grenzen überwindenden Austauschs von Erfahrungen, kleinen und großen Ideen, von Kunst und Kultur ist gerade in seiner gelebten Normalität besonders schützenswert gegenüber Strömungen, die Menschen trennen, abschotten und abschieben wollen.

Am zweiten Tag des Kampagnen-Kick-Offs konkretisierten wir unsere Vision eines zukünftigen europäischen Zusammenlebens. Dazu erarbeiteten wir eigene Positionen und Forderungen zu verschiedenen Themenfeldern wie Rechtlichkeit-Demokratie, Solidarität -Gerechtigkeit, wirtschaftliche Nachhaltigkeit-Ökologie, Transparenz-Erlebbarkeit, Humanität -Vielfalt, Menschenrechte, Freiheit-Frieden, Gewaltlosigkeit.

Neben den dabei leidenschaftlich ausgefochtenen Forderungen, stand auch die Frage nach deren inhaltlichen Geschlossenheit und damit die Frage im Raum, wie offen wir die Kampagne für die Gestaltung durch weitere gesellschaftliche Akteure lassen sollten. Das von uns entwickelte Selbstverständnis und die damit verbundenen Forderungen geben selbst Antwort. Sie sind als offene Plattform eines konstruktiven Europadiskurses zu verstehen, die nur jenen zu Hürde wird, die Angst, Hass und die Abkehr von Europa als vermeintliche Alternative proklamieren. Im Gegensatz dazu verstehen wir uns

Als eine Plattform für Proeuropäer*innen, offen für alle Menschen, denen ein friedliches und vereintes Europa wichtig ist. Wir möchten gerade jetzt eine konstruktive Alternative zu hasserfüllter Europafeindschaft anbieten, die kritisch und leidenschaftlich fu?r eine Zukunft des Europäischen Projektes eintritt.

Wir stehen für ein vielfältiges und weltoffenes Europa ein, das auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebaut ist. Solidarität und Menschlichkeit müssen unser Zusammenleben bestimmen. Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit müssen Leitlinien der Politik sein.

Jetzt ist unser Moment, diese Werte hochzuhalten.

Der Prämisse folgend, dass europäische Probleme auch europäischer Lösungen bedürfen, fordern wir mit unserer Kampagne:

  • eine tiefgreifende europäische Initiative zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit,
  • eine solidarische und gerechte Wirtschafts- und Steuerpolitik um sozialem Ungleichgewicht aktiv entgegenzuwirken,
  • ein ambitioniertes, gesamteuropäisches Engagement gegen den Klimawandel,
  • eine gemeinsame europäische Lösung der Herausforderungen durch Migration und einen menschenwürdigen Umgang mit Menschen, die aus ihrem Heimatland geflüchtet sind,
  • und von allen europäischen Entscheidungsträger/innen eine klare Haltung gegen Renationalisierung und Populismus.

Wir mussten am dritten und letzten Tag aber nicht nur diese, die Kampagne tragenden Grundpfeiler niederschreiben, sondern der Bewegung auch einen Namen geben. Trotz langer Debatten und Abstimmungen war das Ergebnis im Nachhinein fast naheliegend.


The European Moment beschreibt das uns verbindende Gefühl, einen europäischen Moment zu teilen, der nicht nur den Beginn unserer Kampagne markiert, sondern einer europäischen Bewegung.