JEUniP-Austausch - Berlin

Vom 25. Mai bis 29. Mai fand der zweite Teil des jährlichen Twinnigs zwischen der JEB und der JEUniP statt. Der diesjährige Austausch befasste sich mit den Wahlen in Frankreich und Deutschland sowie dem wachsenden Rechtspopulismus in Europa. Kulinarisch startete der Austausch am Donnerstagnachmittag mit Kaffee, Kuchen, Waffeln und Obst, während die Teilnehmer inhaltlich in das deutsche Wahl- und Parteiensystem eingeführt wurden. Daran knüpfte der Vortrag von Matthias Rossbach, der sich mit der wehrhaften Demokratie in Deutschland befasste, an. Am Freitagmorgen ging es dann spezifisch um Rechtspopulismus in Deutschland und Frankreich, um dessen Geschichte, mögliche Gründe und um die Frage, ob dieser eher als Gefahr oder als Chance für Europa einzustufen sei. Unser Young Expert Stefan Kunath übernahm diesen Part und schaffte es mit seinem spannenden und interaktiven Workshop, den Teilnehmern auch noch die letzte auf dem Teambuilding in einer Bar beruhende Müdigkeit auszutreiben. Nach einer Mittagspause spazierten wir zum Auswärtigen Amt, um dort Karin Foistner, eine Spezialistin zu Frankreich, zu treffen. Unsere Teilnehmer sprudelten nur vor Fragen und Diskussionsbeiträgen rund zu den Wahlen und der Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen, dass die Diplomatin am Ende amüsiert feststellen musste, die üblichen Fragen nach Jobmöglichkeiten und Einstellungsvoraussetzungen beim Auswärtigen Amt seien komplett ausgeblieben. Das Programm ließ sodann Raum für eine Eispause und setzte sich dann mit einem Speeddebating zur Zukunft der EU, dem Einfluss (digitaler) Medien auf die Wahlen und dem Rückschritt demokratischer Systeme in autoritäre Regime fort. In zwei Timeslots hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, in Kleingruppen mit Christian Taaks, Leiter des Europäisch-Transatlantischen Diaglogs (ETAD) der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, sowie mit Ben Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik ins Gespräch zu kommen und über ein Europa der zwei Geschwindigkeiten, die Gefahr von Social Bots und Fake News zu diskutieren. Das offizielle Programm endete mit diesem Punkt. Da jedoch jeder nur zwei von drei Themen hören und diskutieren konnte, tauschten sich die Teilnehmer*innen auch noch in gemütlicher Runde auf dem Tempelhofer Feld bei einem gemeinsamen Picknick weiter aus. Samstags war der Zeitpunkt gekommen, um den in den ersten beiden Tagen gelegten theoretischen Grundstein in die Praxis umzusetzen. Bei einem Workshop mit anderen europapolitischen und deutsch-französischen Akteuren - ua. The European Moment und dem Deutsch-Französischen Jugendausschuss - wurde ein gemeinsamer Standpunkt zu den Wahlen entwickelt und eine in beiden Ländern stattfindende Banner Aktion geplant. Ihr dürft gespannt sein... Nach einem herrlichen Picknick verbrachten die Teilnehmenden den sonnigen Nachmittag mit einer Stadtrallye entlang der Hauptsehenswürdigkeiten, wobei gleichzeitig eine Wahlumfrage durchgeführt wurde. Mit ca. 200 abgegeben Stimmen und der großen Menge an Kirchentagsbesuchern und Fußballfans der im Pokalfinale stehenden Vereine ergab sich dadurch vielleicht nicht unbedingt ein repräsentatives Wahlergebnis, jedoch entspannten sich interessante Gespräche und die Umfrage bot zumindest einen guten Anhaltspunkt. Nach einem Abendessen mit asiatischen Tapas, stand den Teilnehmern der Abend zur freien Verfügung: Während die einen gemeinsam ein Theaterstück besuchten, zogen andere los, um Berlins legendäre Clubszene zu erkunden, wieder andere begnügten sich mit dem typischen Bier beim Späti und einem schattigen Platz im Park. Nachdem sich am Sonntagmorgen der Großteil der Teilnehmer an einem der Berliner Seen abkühlte, stiegen wir am Nachmittag in ein Rhetorik- und Argumentationstraining gegen Rechts mit Matthias Hamann vom Institut Kommunikation und Gesellschaft ein. Der Workshop befasste sich nicht nur mit interessanten theoretischen Grundlagen, sondern machte uns in praktischen Übungen auch mit der 3FCC-Taktik bekannt. Erschöpft von der rhetorischen Arbeit und der Hitze genossen wir den letzten Abend dann alle zusammen in einem Biergarten mit typisch-deutschem Essen und zogen noch gemeinsam um die Häuser. Als Abschluss am Montag standen dann zwei Gespräche mit Bundestagsageordneten an. Zuerst trafen wir Niels Annen, den fraktionspolitischen Sprecher der SPD für Außenpolitik und löcherten ihn mit Fragen zur den EU-Türkeibeziehungen sowie zu der schwierigen Situation in Ungarn und Polen. Als zweites trafen wir Elvira Drobinski-Weiß, die Vizepräsidentin der deutsch-französischen Parlamentariergruppe, mit der wir die Notwendigkeit der Öffnung des deutsch-französischen Motors für eine dritte Antriebskraft aus dem Osten Europas sowie die Realisierbarkeit von Macrons Forderungen beispielsweise nach einem Eurozonen-Finanzminister diskutierten. Insgesamt können wir auf einen spannenden und vielfätigen Austausch zurückblicken, der viel inhaltlich gearbeitet hat, mit dem gemeinsamen Standpunkt, der bald veröffentlicht werden wird, und mit der geplanten gemeinsamen Aktion aber auch wirklich Output produziert hat. Viel wichtiger als die theoretische Auseinandersetzung mit den deutsch-französischen Beziehungen auf politischer Ebene ist allerdings, dass wir diese im Kleinen gelebt und vertieft haben und – aus deutscher Perspektive – Franzosen unsere Freunde nennen und bei dem nächsten Parisbesuch nach einem Schlafplatz fragen können.