English version below

Was ihr wollt

Berlin, 24. Juni 2016
PM der Jungen Europäischen Bewegung zum "Brexit"

43 Jahre waren wir vereint. Es war ein auf und ab, aber wir haben es gemeistert über so lange Zeit. Jetzt habt ihr euch gegen die europäische Familie entschieden, statt gemeinsam daran zu arbeiten. Ist das, das richtige Zeichen für eine Union?
Bereits die Basis unserer Beziehung bestand aus gesonderten Abkommen, dabei sind die Gleichbehandlung sowie Gleichstellung aller Mitgliedstaaten die wichtigsten Werte unserer europäischen Gemeinschaft. Du wolltest von vornherein nicht mitmachen bei einer gemeinsamen Währungsunion, der von vielen Europäer*innen geschätzten und gelebten Reisefreiheit durch Schengen, sowie einer abgestimmten Justiz- und Außenpolitik und bestandst auf deinen finanziellen Vorteil aufgrund deines ausgehandelten Britenrabatts.
Doch wollen wir junge Europäer*innen hier nicht das Vorwurfskarussell anschmeißen, sondern konstruktiv der Zukunft entgegenblicken. Ihr habt entschieden, wir werden eure Entscheidung akzeptieren. Es ist ein klares Zeichen: So kann es nicht weitergehen in der EU! Auch wenn wir jetzt 28-1 Länder in der Europäischen Union sein werden, wirst du nicht einfach von der Landkarte verschwinden. Jetzt geht es darum die Gemeinschaft wieder zu einer solidarischen und handlungsfähigen Gemeinschaft zu machen. Das schaffen wir nur wenn wir uns zusammensetzen, denn Europa ist mehr als einfach nur eine Zweckbeziehung.

Was es jetzt braucht: einen großen Sprung nach vorne. Und keine weiteren Schritte zurück. Ein EU-Konvent ist mehr als unumgänglich. Ein EU-weiter Konvent, der eine reformierte EU als Ziel hat. Es gibt zwei große Herausforderungen, die auf dem Konvent in Angriff genommen werden müssen: die Überwindung der ökonomischen, sozialen und politischen Spaltung innerhalb und zwischen den Mitgliedstaaten der EU sowie die Bekämpfung der weit verbreiteten Wahrnehmung, dass die Mitgliedschaft in der Union nicht länger für alle gleichermaßen von Vorteil ist. Dafür braucht es Kontroversen, die ausgetragen werden müssen. Wir sollten keine Angst vor der Auseinandersetzung haben und dieser Debatte nicht aus dem Weg gehen, sondern für unsere Werte und Ziele kämpfen!

Die tiefgreifenden Krisen der letzten Jahre haben die EU an die Grenze ihrer Handlungsfähigkeit gebracht und alte Gewissheiten wie die „ever closer union“ aufgebrochen. Viele EU-Bürger*innen haben das Gefühl, dass die EU ihre Belange nicht ernst nimmt und nicht in ihrem Interesse handelt. Dieses verlorene Vertrauen in das europäische Projekt kann nur durch eines wiedererlangt werden: Änderungen müssen her! Wir wollen eine wirtschaftliche und eine politische Union. Der Brexit hat es schwarz auf weiß gebracht: Europa hat in den letzten Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, das Vertrauen großer Teile seiner Bürger*innen verloren. Wir stehen vor der großen Aufgabe und Herausforderung, die EU zu reformieren. Denn nur eine reformierte EU, die gemeinsam von ihren Bürger*innen gestaltet wird, kann den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden. Europa ist und bleibt das, was wir daraus machen! Jetzt liegt es an uns – den 510 Millionen EU-Bürger*innen ihre Union zu gestalten. Wir fordern, dass nicht nur Politiker*innen die Richtung der europäischen Zukunft auf diesem Konvent entscheiden, sondern die gesamte europäische Bevölkerung in diesen Prozess eingebunden wird. Nutzen wir diese Chance!

Was uns jungen Europäer*innen Hoffnung gibt, ist die Mehrheit der jungen Briten, die mehrheitlich für einen Remain gevotet haben. Die jüngere Generation schätzt die Errungenschaften der EU und will kein Zurück zu Grenzzäunen. Jetzt wird es darauf ankommen, ob es gelingt eine gemeinsame offene Debatte um die Zukunft der EU zu führen, wie sie demokratischer und sozial gerechter werden kann.

Wir können nicht weitermachen wie bisher. Das britische Volk hat sich entschieden. Und jetzt müssen wir Europäer*innen damit leben, das Beste daraus zu machen. Denn Europa ist unsere Zukunft – Europa ist das, was wir daraus machen!


(Katja Sinko und Hannah Schwarz, Landesvorstand)


Hier gibt es die Pressemitteilung als pdf-Format.

English Version

As You Like It

Press release of the Junge Europäische Bewegung on the „Brexit“ (from 24 June 2016)

For 43 years we stood together. The road was not smooth, but for so long, we walked it together. Now
you have decided to leave the European family, rather than choosing to stay and work on it together. Is
that the mark of a good marriage?
The very basis of our relationship was an uneven one, even though one of the key principles of the
European community is the equal status and treatment of each member state. From day one, you said
‘no’ to a common currency, to the freedom of movement, enshrined in Schengen and cherished by so
many Europeans, and to a coordinated approach to justice and foreign affairs. At the same time, you
insisted on special treatment for the British, in the name of your own financial gain.
Yet we young Europeans wish to distance ourselves from the mud-slinging, preferring a constructive
approach to the question of our future. You have made your decision, and we will respect that decision. It
is a clear sign that the EU is in desperate need of change. You won’t simply disappear off the map
because the European Union is soon to be made up of 28-1 countries. Now is the time to transform our
community, to maximise on its solidarity and its bargaining power. We will only be able to achieve this by
coming together and recognising that European relationships run deep.

What is needed now is one huge step forward, and no more steps back. An EU convention is absolutely
vital. An EU convention that sets out EU reform. There are two main challenges here that will have to be
tackled by the convention: first, bridging the economic, social, and political divide both within and between
EU member states, and second, fighting hard against the widely-held view that membership of the
European Union is no longer of equal benefit for all. It won’t be plainsailing, but it will be worth it. We
should not shy away from debate, even if conflicts arise, and we should be prepared to fight for our values
and goals.

The crises that have rocked the EU in recent years have pushed it to the limit, dispelling old certainties
such as the “ever closer union”. Many EU citizens feel that the EU does not take their needs seriously and
does not act in their interest. There is only one-way to restore this loss of trust in the European project:
change! We want an economic and political union. Brexit has spelled it out clearly: in recent years, if not
decades, large swathes of citizens have lost faith in the EU. We face the considerable challenge of
reforming the EU. Because only a reformed EU, one shaped by and for its citizens, is capable of tackling
the challenges of the future. Europe is and will always be what we make of it! It is now up to us - the 510
million citizens of the EU - to shape our union. We demand that the future of Europe, which will be decided
at this convention, is not steered solely by politicians, but that the entire population of Europe also has a
say in this process. Let’s seize this chance!

As young Europeans, we draw hope from the fact that the majority of young Britons voted to Remain. The
younger generation recognises the EU’s achievements and rejects a return to the old days of walls and
border fences. Everything now rests upon our ability to stage an open debate about the future of the EU
and the ways in which it can become more democratic and more socially just.
We have to change track. The British people have made their decision. Now it is up to us as young
Europeans to live with that decision and to make the best of it. Because Europe is our future – and
Europe is what we make of it!

(Translated from German by Jennifer Hayhurst, 28 June 2016)